Mittwoch, 19. August 2009 um 19:27 Uhr
iPhone Apps - Bildung
Dass iPhone und iPod Touch einen so genannten Beschleunigungssensor integriert haben, ist längst bekannt. Dass dieser in verschiedenen Apps bereits sehr kreativ und sinnvoll umgesetzt wurde, und zwar nicht nur zum automatischen Switch zwischen Portait- und Landscape-Betrachtungs-Modus, ebenso. Aber iSeismometer versucht, das iPhone bzw. den iPod Touch mit Hilfe des Sensors zu einem mobilen bewegungsempfindlichen Seismographen umzufunktionieren.

Aufbau und Funktion

Die grafische Umsetzung ist schlicht und funktional, die Eingabe besteht in der Bewegung des Gerätes, die Ausgabe in Messkurven. Das Programm stellt untereinander die drei gemessenen Dimensionen (X, Y, Z) dar. Auf der Horizontale zeichnen die drei virtuellen Nadeln in einer Frequenz von 100 Hz und einem sichtbaren Bereich von 3 Sekunden alle Bewegungen auf, wobei keine Skalen objektive Richtlinien über Zeit und Ausschlagstärke geben.
Die Aufzeichnungen lassen sich zur genaueren Betrachtung einfrieren und die letzten drei Sekunden können im Spektrum analysiert werden. Unter dem Menüpunkt "Data" lassen sich die Daten der letzten 10 Sekunden auf einen Server laden und von dort als CSV-Datei wieder auf den eigenen Rechner downloaden.
Die permamenten Nadelausschläge sprechen für eine sehr präzise Messung, die jedoch durch fehlende Skalierungen und Langzeitdarstellungen nicht adäquat genutzt werden können. Weder Abtastrate noch Empfindlichkeit können individuell angepasst werden.

Zwischen Profi-Tool und Spielzeug

Zunächst einmal ist iSeismometer ein Hingucker, der demonstriert wie erstaunlich präzise der Bewegungsmesser des iPhone/iPod Touch arbeitet. Es bietet die Möglichkeit, in spielerischen Versuchen die Erschütterungen von Lautsprechern, vorbei fahrenden Fahrzeugen oder Türstößen zu messen. Darüber hinaus lässt sich die Applikation aber mit dem 10-Sekunden-Speicher kaum für ernsthafte Zwecke einsetzen. Mit längeren und zeitgenauen Aufzeichnungsmöglichkeiten könnte man mit iSeismometer beispielsweise belegen, dass ein Raum zu einer bestimmten Zeit betreten oder etwas von einem Tisch genommen wurde, man könnte ablesen, in welchem Abstand die Straßenbahnen am Haus vorbeifahren oder ob die Musik in der Nachbarwohnung wirklich leiser gedreht wurde. Mit einem justierbaren Alarm wäre es möglich, kritische Erschütterungen anzuzeigen.
Momentan ist iSeismometer keineswegs mit Präzisionsmessgeräten, wie sie zum Beispiel in Museen verwendet werden, vergleichbar. Aber mit dem kostenlosen Programm haben die Entwickler ein weiteres Einsatzgebiet des iPhone mit großem Potential betreten, das sicher noch vielseitig erweitert werden kann.